Montag, 21. Oktober 2013

Endlich: "Lelle´s Gym"...

...hat geöffnet.




Szenenwechsel I:
Den ganzen Sommer hindurch haben wir im Wald, auf Wiesen oder einer wenig befahrenen Strasse trainiert. So verging meist eine halbe Stunde, bis jeder da war, die Ringe und das Seil hingen und alle in halbwegs annehmbarer Trainingsstimmung waren.
Aber so eine Trainingsgemeinschaft funktioniert meist nur bei schönem Wetter...klar, wer robbt gerne bei Wind und Regen über dem Boden? Man wird eben manchmal doch bequem.

Szenenwechsel II:
Kurz nach meiner Bundeswehrzeit haben sich 1997 einige junge, dynamische Männer in einem kleinen Ort in Bayern zusammengefunden und eine alte Scheune mit allem möglichen Equipment ausgestattet. Ein Name war auch schnell gefunden: Lelle´s Gym. Lelle war mein damaliger Spitzname, Gym ist selbsterklärend, old school und hörte sich verwegen an. World´s Gym, Gold´s Gym und dann eben Lelle´s Gym. Logische Reihenfolge.
Wir hatten damals eigentlich viel Ausrüstung, wie Rollbrett, Peg Board, ein Powerrack aus Balken, Hanteln aus Autofelgen, die mit Beton ausgegossen waren und vor allem hatten wir eins: Unendlich Spass. Irgendwann hat es sich dann alles verlaufen und die Gemeinschaft von damals löste sich im Laufe der Jahre auf. Allerdings waren diese Jahre und auch der Name geistig immer präsent.

Szenenwechsel III:
"Wir brauchen eine verdammte Halle...", fluchte Max. Zum wiederholten Male regnete es und die Gruppe flüchtete in die Auto´s. Wieder ein Tag, an dem das Training gut begonnen hatte, das Wetter aber einen dicken Strich durch die Rechnung machte.
Wir brauchten dringend eine Halle...ganz dringend...denn der Spass, den wir diesen Sommer hatten, sollte nicht wieder verfliegen. "Lasst uns doch einfach "Lelle´s Gym" wieder aufmachen", so der Grundtenor. Ich sträubte mich....aber es hämmerte dennoch intensiv im Kopf. Kennt jemand die Simpsons-Folge, in der Homer ein Plakat des "Clown-College" sieht und er nichts mehr anderes denken kann, als an eben diese verrückte Idee? Genau so ging´s mir dann auch.

Szenenwechsel IV:
Endlich haben wir eine Halle....180m², aufgeteilt auf zwei Räume, sogar eine Toilette und es riecht nach Kühen. Der erste Raum mit Laminat, der zweite Raum mit Betonboden und eine Raumhöhe von vier Metern.
Endlich, endlich, endlich.
Natürlich stehen wir noch am Anfang, aber jeder hat schon mal sein Equipment mitgebracht. So haben wir mittlerweile einen komplett ausgestatteten Gewichtheberbereich, natürlich Ringe, Seile und viel, viel Platz für Locomotion und co.
Wir werden innerhalb der nächsten Wochen und Monate Peg- und Campusboards, Kletter- und Hangelgarten, Bachar Ladder und vieles mehr bauen und so unser eigen nennen können. Und das alles, weil wir endlich mal wieder die Hände aus den Hosen und den Stier bei den Hörnern gepackt haben.



Szenenwechsel V:
Natürlich ergeben sich durch die neuen Räumlichkeiten viele Möglichkeiten das Training auszureizen. Hier sei vor allem das Locomotion-Zeugs angesprochen, das natürlich jetzt nicht wegen Regen, Sturm oder Steinen auf der Strasse verschoben werden kann. Es muss gemacht werden, auch wenn eben die Wetter-Ausrede manchmal schon recht günstig kam.

1. Lizard und co: Lizard rückwärts läuft, auch wenn es verdammt schwer ist. Da sind die Vorwärtsvarianten tatsächlich ein Kinderspiel. Tägliches Volumen: min. 24m, an "echten" Locomotion-Tagen bis zu 100m.

2. Arbeit am one arm handstand: Hier trainiere ich nur manchmal frei stehend, 90% der Zeit an der Wand. Es geht voran, wenn auch nur marginal. Volumen hier: Zwischen 20 und 80 Gesamtwiederholungen. Allerdings tendiere ich aktuell etwas mehr zu Ausdauersätzen, soll heissen, Haltezeiten ab 30 Sekunden aufwärts, allerdings immer mit Fingern der Hilfshand untersützt. Das ist ziemlich schwer, auch an der Wand. Da muss ich dran bleiben.
Allerdings bemerke ich etwas ähnliches wie beim normalen Handstand an der Wand: Je öfter und länger man es macht, desto öfter lösen sich die Beine wie automatisch von der Wand und man steht in der gewählten Form des Handstands. Das dauert zwar etwas, aber innerhalb von 8 Wochen sollte jeder diese Erlebnis haben.

3. One arm chin: Da bin ich wieder auf der richtigen Strasse und führe es als GTG aus. Allerdings sind one armer natürlich früh am Morgen schon recht zäh. Im Zuge der Ellenbogengesundheit und allgemeinen Schmerzfreiheit, die diese Übung zerstören kann, habe ich die ROM auf etwa 60% reduziert. Soll heissen, ich ziehe etwa ab 120°-100° im Ellenbogen. Hier kann ich mittlerweile immer öfter komplett ohne Hilfe hochziehen, belasse es aber bei 50% der Wiederholungen bei minimaler Unterstützung durch den freien Arm. Dafür lasse ich mich dann auch sehr gemächlich durch die volle ROM ab. Dieser Ansatz mag nicht ganz dem Ansatz mancher Trainer entsprechen, aber ich komme damit sehr gut zurecht und die Erfolge geben mir bisher recht. Und das Wichtigste: Keine Schmerzen vorhanden. Hurra.

4. Frontlever: Unglaublich aber wahr.... es gehen Sätze von 3 Sekunden Haltezeit und das schon die dritte Woche in Folge. Mag diese Reise ein Ende haben?
Wie kam´s: Zig Wiederholungen von Cranks und negativem Ablassen. Teilweise war das extrem schmerzhaft, weil durch die Spannung im Rücken die Rippen dermassen gedrückt wurden, dass das loslassen aus eben der Position einem Messerstich gleich kam. Scheint aber normal zu sein, Andi hat das auch. Bin mal gespannt, wann das aufhört.

5. Planche...ich hasse Dich. Nach Wochen, in denen es hervorragend ging, folgen jetzt wohl Wochen, in denen gar nichts mehr geht. So komme ich nur noch schwer in die Position für die straddle und wenn es denn mal soweit ist, ja, dann kann ich´s kaum halten. Hier fehlt mir irgendwie komplett das Gefühl.
Lösung: Ablassen an der Wand aus dem Handstand. Das sollte funktionieren. Volumen: Hoch, bis zum Muskelversagen.

6. Press to Handstand: Easy. Hier konzentriere ich mich aktuell nur auf das Einleiten, soll heissen, das hochziehen vom Boden. Durch die Schulterkraft kann ich mich sehr weit vorlehnen und planche den Handstand nach oben. Das kostet natürlich viel Kraft. Deswegen Konzentration auf Kompression, Kompression und nochmal Kompression. 3 Sätze a 5 WH reichen aber hier völlig aus.

7. In Arbeit: QDR, QDR rolls, Übergänge und ähnlicher Kleinkram. Macht viel Aua in den Handgelenken, brauche ich aber, um den Fluss bei der Locomotion zu kriegen. Von dem her: Augen zu und durch.
Volumen: 20 WH pro Seite mit 10 Sekunden Haltezeit, 5 mal pro Woche.

8. Ich befolge fleissig den Tipp von Odelia und dehne bis der Arzt kommt: Pancake stretch bis weit in die Schmerzgrenze. Dieser Ansatz mag nicht für jeden geeignet sein, aber er brachte gute Erfolge: So kann ich an guten Tagen die Brust im pancake stretch auf den Boden legen.
Allerdings brauche ich hier etwa fünf progressiv schwerere Aufwärmsätze. Deswegen ist das Volumen auch bei 8-10 Sätzen.

9. Locomotion exkl. Lizard: Kommt gut, da ich den "Atom zu Molekül" - Ansatz von Ido strikt befolge. Bahn über Bahn von Kniebeugen, Cross-Steps und ähnliches haben bisher zu einem guten Ergebnis geführt: Mittlerweile gehen eigentlich ganz nette Serien von 5 Bewegungen am Stück, bei denen ich nicht nachdenken muss, sondern die kommen eben einfach. Improvisation erreicht.
Allerdings schätze ich, dass es noch gut ein oder zwei Jahre dauert, bis da ein echt guter Fluss sichtbar wird. Sei´s drum, wir haben Zeit.

In diesem Sinne, einige sehe ich ja bald in Österreich! Freu mich drauf!

 

Kommentare:

  1. Alter Verwalter. Gratulation zu diesem Gym Männer&Frauen. Ihr habt nun alles, was man braucht. Groß und stark seid ihr schon, mit diesem Dungeon wird es nur noch besser...

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    1. He he he, na, da schauen wir mal, welche Möglichkeiten sich hier ergeben. Aber das wichtigste haben wir schon mal erreicht: Wir sind unabhängig vom Wetter. Weiter können wir alle unsere Hunde mitbringen, ohne, dass sich jemand angepisst fühlt. Und...wir basteln uns einen Pegbalken. Der wird täglich in Flammen stehen, das kannst wissen.

      Bis in zwei Wochen, freu mich riesig drauf!

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  2. Da dies der letzte Blogpost ist, in dem du was über den Frontlever schreibst, halte ich es für passend, hier zu kommentieren :-)

    Ich bin gerade über ein sehr interessantes Video bzw. über eine sehr interessante Videoserie gestoßen! Speziell diese Episode: http://www.youtube.com/watch?annotation_id=annotation_969889811&feature=iv&src_vid=QwkjSbyHBCg&v=Rv2r2_iNfvE

    Zu sehen gibt es:
    - Eine sehr solide Planche sowie einen sauberen Frontlever + Trainingstipps (ab 4:40)
    - Unglaublich kontrolliertes Seilklettern! (ab 9:47)

    "I never did straddle lever, I never did tucked lever, cuz you never get anywhere with it"

    "negatives, negatives, negatives"

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Einfaches Training......Training mit Ringen und BWEs