Donnerstag, 5. September 2013

Review Ido Portal Internship in Berlin

"...oh Mist, verdammter....noch 5m...."

"...Alex, keep on moving, don´t stop here...stop when your are done, not when you are tired!!!"

"..Alterle, was glaubst was ich hier mache???? Entschuldigung, dass sich meine Arme gerade von meinem restlichen Körper verabschiedet haben....da geht nix mehr."

"...KEEEEEEPPPPP ON MOVVVVIIINNNGGGG...."

Es ist Montag, 26.08.2013, 16.00Uhr, ein Park in Berlin. Erster Tag des Internships mit Ido Portal, Odelia Goldschmidt und John Sapinoso.

Der obige Dialog steht genau für das, was dann die restlichen vier Tage folgte: Schmerz, Schweiss und Hass.




Schmerz, weil die Milchsäure geballt kommt...und das Muskelbrennen irgendwann unerträglich wird.
Schweiss, weil ich jeden Tag, jede Stunde, jede Minute in meinem eigenen Saft gestanden, gerollt, gesprungen, gekrabbelt bin.
Hass, weil ich die letzten Wochen so faul war....ich hätte es eigentlich, eigentlich besser wissen müssen.

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Da ich schon geraume Zeit mit Ido via Online Coaching trainiert habe, war es natürlich das Ziel irgendwann mit ihm selbst zu trainieren. Da kam mir das Internship gerade recht....und jetzt, da ich wieder einigermaßen laufen und greifen kann, kann ich natürlich sagen: Es war genial. Genial böse, genial lehrreich.

Natürlich, so weiss ich jetzt, ist die grundlegende Arbeit im Kraftbereich ähnlich der Art, die ich auch im Online-Coaching gemacht habe. Aber natürlich gibt es Unterschiede...und der größte Unterschied nennt sich: Ermüdung.
So haben wir jeden Tag 3,5h am Morgen und 3-3,5h am Nachmittag trainiert. Und trainiert heisst tatsächlich trainiert.
Jeder Tag bestand aus einem grundlichen Aufwärmen mit diversen Joint-Mobility-Übungen, loaded stretching bis in die letzte Faser gefolgt von Kraftarbeit. Das ging am Montag Morgen noch gut und so konnte ich den straddle press to handstand, die Frontlever und die straddle planche "abnehmen" lassen. Das kann ich somit auch unter Ido´s Augen offiziell.
Zum Glück war es der Montag Morgen, denn schon am Nachmittag war ich hart an der Grenze...denn wir übten uns in Locomotion. Und "Locomotion" übersetze ich ab sofort mit "Ausgeburt der Hölle", "Teufelszeug" oder "Folter".
Das Konzept, praktisch die "Ido Portal Method", ist genial aufgebaut und so setzen sich die einzelnen Progressionen wie kleine Atome zusammen. Deswegen kamen wir didaktisch gut voran und sind recht bald beim "reverse lizzard" gelandet. Hört sich interessant an? Ja, ist es, es ist genial.
Nur: Ido legt Wert auf hohes Volumen aka Wegstrecke und höchste Ausführungsqualität. Wer mit ihm trainiert muss beissen und das bis zum Ende. So haben wir dann 60 Minuten am Stück "reverse Lizzard" geübt....jeweils 16m am Stück. Es war die reinste Hölle und ich konnte in den letzten Sätzen keinerlei Koordination zwischen Bein und Arm herstellen. Aus, Ende, vorbei. Nur: Herr Portal motiviert dann schon mal energisch....und siehe da....schon gehen wieder 5m mehr.
Endresultat war, dass ich am Montag Abend beim gemeinsamen Essen die Flasche Wasser mit zwei Armen heben musste. Und das ist kein Witz. Es ging einfach nichts mehr. Wenn man dann bspw. Odelia über den Boden SCHWEBEN!!!!!!! sieht, dann lacht man einfach, weil....nun ja, sieht ja einfach aus. Muss man es dann selbst machen, dann ist es enorm enorm enorm schwer.

Wie dem auch sei....der Dienstag war geprägt von Handstandarbeit, low gate stuff und Kniebeugen. Erster Einbruch: Konnnte einen freien Handstand nur noch zwei Sätze a 45 Sekunden halten. Aber hier: Mein Handstand ist ein Handstand....auch nach Ido´s Sicht der Dinge....man, da bin ich stolz.
Ido und Kollegen machten natürlich diverse one arm handstands....unglaublich das zu sehen. So war und bin ich auch zutiefst von Odelia beeindruckt und habe Ido gefragt, ob ich die Woche mit eben Odelia trainieren  bzw. von Odelia trainiert werden kann. Diese Frau ist der Wahnsinn, der absolute Wahnsinn. Manch einer mag denken: "Alter...blöd oder was?" Ich sage: "Nein, es war richtig...Odel war die richtige Wahl und hat mich sehr weit gebracht." Und so nebenbei: Durch die Wahl hatte ich Odel als Trainer und Ido hat zusätzlich korrigiert. Was will man mehr?

Mittwoch: Levers, levers, one arm chins, Klimmzüge und zum Abschluss: Seilklettern. Das konnte ich wirklich gut und war so schnell wie John....auch hier bin ich stolz. Aber das wars dann auch schon, denn die Frontlever klappte nur noch straddled, press to handstand nur noch als Einzelwiederholungen und die waren schwer, sehr schwer. Und eigentlich sind die straddled press to handstand bei mir zum Aufwärmen...die kann ich immer, egal wann. Nicht so in Berlin....der Körper war platt. Nachmittags wieder Locomotion mit Schwerpunkt QDR´s. Die Dinger sind schwer....wow. Aber Ido und Odelia haben es super erklärt. Auch hier war ich wieder den Grossteil mit Odelia unterwegs....und diese Frau hat Adleraugen. Die Feinheiten, die sie sieht und korrigiert sind herausragend....auch die Anschisse sind nicht ohne :-)

Donnerstag: Locomotion, Planches, Levers, Locomotion, stretching, Locomotion....ich war nur noch platt. So habe ich von Nacht zu Nacht schlechter geschlafen, weil das Nervensystem völlig überlastet war.
Ach die Planche konnte ich nur noch unter Aufgebot aller Kräfte in der "tucked" Version halten. Press to irgendwas war nicht mehr möglich.
Ido hat bemerkt, dass wir Schwäche zeigen und in seiner Großzügigkeit hatten wir dann am Donnerstag nachmittag "Lecture"....Programming, Grundlagen "The Method", Fragen und Antworten, etc.. War sehr interessant.

Freitag: Turnsalon....wir waren im Turnsalon in Berlin und diese Location ist unglaublich genial. Jeder, der in Berlin ist, sollte bei Frank und Fritz vorbeischauen.
Wie dem auch sei....Locomotion....drei Stunden am Stück, Vollgas. 10 Bewegungen, Kombinationen, max. 30 Sekunden Pause am Stück. Ich konnte nicht mehr. Mir ist das Wasser aus jeder Pore durch die Kleidung auf den Boden getropft. Es war unglaublich anstrengend und hart.
Die Krönung war dann der Nachmittag...Handstandarbeit, Planche und Levers....Ich bin freiwillig zum Handstand an die Wand und konnte hier im dritten (!!!!!!!) Satz 10 Sekunden halten. Haaaallllloooooo? Ich habe einen 90 Sekunden Handstand frei stehend....und jetzt 10 Sekunden an der Wand und ich klappe zusammen wie ein Taschenmesser??!!
Und so nebenbei führt Ido, Odelia und John press to handstands, stalders usw. aus...in einem Satz. Auch hier war meine Entscheidung richtig mit Odelia zu trainieren. Unglaublich, unglaublich, unglaublich wie die Dame abgeht. 

Alles in allem war das Internship ein unglaubliches Erlebnis, unglaublich lehrreich, unglaublich motivierend und ebenso unglaublich hart...45h Training in einer Woche sind nun mal nicht ohne.
Zu sehen, wie leicht Ido, Odelia und John die schwersten Übungn ausführen ist nicht zu beschreiben. Die Videos, die von Locomotion im Netz kursieren, zeigen nicht im Ansatz, was die drei wirklich können. Wer Ido bei einem Locomotion-Satz zusieht, wie leicht er schwebt, die Übergänge, die Übungen vorwärts und rückwärts macht, QDR zum Handstand zum Lizzard zur Bridge zu....., der will das auch...und zwar unbedingt. Der Weg dahin ist hart, steinig und lang. Aber ich begehe ihn.

Stay tuned.


Kommentare:

  1. Wo ist der Unterschied zwischen Locomotion und Floreiro?

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    1. Gute Frage, die ich nur wage beantworten kann: Es gibt keinen. Locomotion ist die Weiterentwicklung von Ido. Floreio hängt mit Capoeiro zusammen und das hat Ido ja lange Zeit gemacht. Bin mir aber nicht sicher.

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    2. Mein Eindruck ist, dass Locomotion immer etwas mit Fortbewegung zu tun hat, während Floreio eher lokal begrenzt ist (Capoeira spielt man ja in typischerweise in einem Kreis).

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    3. Yep, so stimmts im Groben, allerdings kann man Locomotion auch - wenn man es kann - fast auf der Stelle machen. Wie dem auch sei: Egal was man macht, egal wie man es nennt, es ist enorm anstrengend.

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    4. beim capoeira gibt es schon lange floreio und auch locomotion in form von amazonasbewegungen die man oft als bahn trainiert, das ist keine erfindung von ido! ;)

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  2. Schön wieder von Dir zu lesen!
    Klingt ja spannend! Man leidet beim lesen schon mit.
    Aber was Du mitgenommen hast an Wissen ist das sicher 100% Wert!
    Weiter machen ;)
    Gruß Flo

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    1. Ja, das war es wert. Der Kopf platzt fast vom ganzen Input. Kann mir eigentlich viel Sachen merken, bin aber jetzt sehr froh, alles mitgeschrieben zu haben :-)

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  3. Hi,
    echt stark, dass Du das hier teilst! Was kann man sich denn unter dem "reverse Lizzard" vorstellen? Ist das ein Brückengang?
    Mo

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    1. Reverse oder inverted Lizzard ist eine Art des Lizzards, bei dem man praktisch von mit dem Rücken zum Boden anfängt, nicht mit dem Bauch. Dann muss man ein Bein durch das andere schieben und mit Schmackes nach vorne bringen, sonst bewegt man sich nicht nach vorn. Ist schwer zu beschreiben, vielleicht postet Ido mal ein Video. Hab noch keins gefunden. Allerdings it diese Art des Lizzards um ein vielfaches schwerer als der "normale" Lizzard. 15m sind schon hart, 45m sind Hölle. Aber absolut lohnenswert, auch wenns weh tut.

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    2. OK, sind die Arme dabei wie in der kleinen oder wie in der großen Brücke?

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    3. Weder noch....Du fängst aus einer tiefen Pistol-Position an, machst eine einarmige Liegestütze nach hinten, ziehst ein Bein ums andere und bist im Lizard. Glaub mir, das musst sehen, sonst wird´s nichts.

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    4. OK, klingt echt abgefahren. Hab auch immer eine QDR Variation im Kopf, aber muss wohl warten, bis das Ido mal uploaded... Trotzdem besten Dank für Deine Mühe! Viel Erfolg weiterhin!

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  4. Hi Chinner,
    es ist wie immer eine wahre Freude Deine Berichte zu lesen. Klasse, dass Du Deine Erfahrungen mit uns teilst.
    Ich habe größten Respekt davor mit welchem Ehrgeiz Du die Sachen anpackst.
    Gruß Markus

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    1. He he he, glaube mir, ab Mittwoch gab es einige Momente, an denen ich gerne gesagt hätte: "Ich bin dann mal im Cafe´ gegenüber. Holt mich, wenn Ihr fertig seid."
      Aber dann gabs wieder eine kleine Aufforderung seitens Herr Portal und Frau Goldschmidt und schon war ich wieder am Boden und hab versucht meine Extremitäten zu koordinieren. :-) Schlug leider des öfteren fehl, aber was soll´s...heute kann ich lachen.

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  5. Hi,
    ich muss mich anschließen. Danke das du deine Erfahrungen teilst. Muss ne harte Nummer gewesen sein. Was mich brennend interessiert. Nach dem Online Coaching, dem Seminar und nun dem Internship. Fühlst du dich in der Lage dein Training bis auf weiteres selbst zu steuern? Ich meine nicht nur Krafttraining, ich denke da hast du wohl einiges an Erfahrung, sondern auch und vor allem in dem Movement und Locomotion "Ding". Ido erzählt ja immer von der "Method". Wie geht es da weiter. Brauchst du noch weitere Internships oder hast du gelernt wie du fischst? Ich würde gerne wissen wie man in den Genuss des kompletten Pakets kommt.

    Auf bald

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    1. Ja, ich steuer mein Training schon selbst und das Internship hat mir hier doch gut die Augen geöffnet und das Wissen vervielfacht. Ich konnte mit Ido ja oft sprechen und so auch das Lob bekommen "Ja, Du hast einen Prozess/ Methode im Training".
      Das ganze Ding als abgeschlossenes System zu sehen ist meiner Meinung nach falsch. Dein Vergleich stimmt schon: Er gibt Dir keinen Fisch, er zeigt Dir eher wie Du selbst zum Fisch kommst.
      Es gibt ja zig Bewegungen, die man selbst erschliessen kann, wenn man denn möchte und gewillt ist. "The Method" ist sowas wie eine Guideline für die verschiedenen Übungen, um eine gewisse Grundkraft zu erreichen, um von dort aus dann selbst zu "forschen und experimentieren" anfangen zu können. Grundkraft ist natürlich in Ido´s Sinne wahrscheinlich das falsche Wort, weil das Level sehr hoch ist.
      Wie dem auch sei: Ich für mich werde auf alle Fälle mit Ido in Kontakt bleiben und mit Sicherheit noch das ein oder andere Online Coaching buchen und nach Möglichkeit in einem oder zwei Jahren auch nochmal zum Internship oder Movement Camp gehen.

      Viele Grüsse

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